Forschung

Im 2-jährigen Forschungsprojekt „Essbare Seestadt“ findet ein interdisziplinäres Team von Forscher*innen, Gartenexpert*innen, Nachhaltigkeitsexpert*innen, Bürger*innen und dem Stadtteilmanagement heraus, welchen Beitrag Nahrungsmittelproduktion in der Stadt zu einem klimafreundlichen, resilienten Stadtteil leisten kann. Außerdem soll deutlich werden, wie Bürgerbeteiligung dabei langfristig und optimal wirken kann.

Ausgangssituation – warum wird da geforscht?

Aspern Seestadt, eine der größten Smart Cities Modellregionen Europas und grünes Vorzeigeprojekt Wiens, ist bezüglich der eingesetzten Mittel für Grünraumgestaltung weit höher einzustufen als viele andere Stadtentwicklungsgebiete. Trotzdem dominieren abseits der Rasen-bewachsenen Seeparkanlage Asphalt, Stein und Beton das Bild der öffentlichen Flächen. Im Sommer bieten sie kaum Zuflucht vor den durch diese Materialien geschaffenen Hitzeinseln.

Generell scheitert die großflächige Begrünung von Stadtquartieren oft an den Errichtungskosten, insbesondere aber an den Erhaltungskosten. Demgegenüber steht eine hohe Bereitschaft der Anwohner*innen, sich gärtnerisch vielseitig zu betätigen (derzeit ca. 300 Wartepositionen für Beete in Gemeinschaftsgärten in der Seestadt).

Inhalte und Zielsetzungen

„Essbare Seestadt“ lotet in Kooperation mit Bewohner*innen und Initiativen die Wirksamkeit der Lebensmittelversorgung aus eigener Produktion im urbanen Raum (aus privaten und öffentlichen Freiräumen, Dachflächen, Gebäuden) hinsichtlich der Klimawandelanpassung, dem Selbstversorgungspotenzial und der Ressourceneffizienz aus.

Das räumliche Potenzial für urbane Nahrungsproduktion wird mit dem sozialen Kapital in Relation gesetzt. Das Projekt untersucht, welche Voraussetzungen und Anreize Betreiber*innen eines „essbaren Stadtteils“ brauchen. Erforscht wird, welche Beiträge eine „essbare Stadt“ für einen klimaneutralen, resilienten Stadtteil leistet bzw. leisten kann und wie dieser Beitrag nachhaltig stabilisiert bzw. optimiert werden kann.

Methodische Vorgehensweise

Bestand und Potenzial der Seestadt werden sozialräumlich erhoben. Strukturelle, kulturelle, technische, bauliche, rechtliche, soziale, ökonomische und prozessuale Voraussetzungen werden partizipativ mit interessierten Seestädter*innen und Stakeholdern zu einem „Werkzeugkasten für die Grüne Stadt“ zusammengefügt. Außerdem wird dessen Potenzial zur Reduktion von Hitzeinseln, ökonomischen Einsparungen durch partizipative Grünraumgestaltung, -wartung und -pflege und Verwertungsmöglichkeiten für Biomasse durch Urban Food 2.0 analysiert. Wir messen den Beitrag einzelner Projekte zum Treibhauspotential, die sozioökonomische Wirkung sowie den Beitrag zur biologischen Artenvielfalt.

Erwartete Ergebnisse

„Essbare Seestadt“ soll zeigen, ob und wie durch Beteiligung von Anwohner*innen hohe Kosten für Stadtbegrünung reduziert werden können, während durch ihr Miteinbezug, die Bewusstseinsbildung und Partizipation ein sozialer und ökologischer Mehrwert geschaffen wird.

Es wird dargestellt, wie die Seestadt und vergleichbare Quartiere zu einem „Nachhaltigen Viertel“ (Sustainable District) transformiert werden können, indem klimaschonende Stadtentwicklung, lokale Resilienz, Bürger*innen-Einbindung und -Bildung, Vernetzung und Nahversorgung sowie langfristige ökonomische Effizienz synergetisch zusammenwirken.

Gefördert mit den Mitteln des Bmvit im Rahmen des “Stadt der Zukunft” Programms. Programmkoordination: ffg.

ffg-Projektnummer 867297, Laufzeit 02.07.2018 – 01.01.2021