Das Gärtnern auf Balkon, Terrasse und Fensterbrett oder anders gesagt, in Töpfen und Pflanzgefäßen, ist eine der kleinräumigsten Formen städtischer Lebensmittelproduktion. In Balkonkisten wachsen einige Blattgemüse, Radieschen sowie Kräuter. In größeren Töpfen, Pflanzsäcken und Pflanzkisten ist von Mangold, über Kürbis bis zu kleinen Obstbäumen sehr vieles möglich.

Entscheidend für das erfolgreiche Gärtnern sind die Auswahl der richtigen Pflanzen für den jeweiligen Standort, ausreichend große Pflanzgefäße mit gutem Substrat, ausreichende Bewässerung und Wasserhaltevermögen. Eine Besonderheit des Balkongärtnerns in der Stadt ist die höhere Temperatur, sowohl im Winter als auch im Sommer. Einerseits werden dadurch die Saisonen länger und die Frostgefahr sinkt. Andererseits kann es schlicht zu heiß sein. Weitere Herausforderungen sind häufig mangelndes Licht oder starker Wind. Durch kleine Gefäße, Wind und Hitze brauchen die Pflanzen mehr Wasser als im Garten und müssen auch häufiger gegossen werden (Heistinger, 2015).

Meist werden Balkone und Privatterrassen von einzelnen Personen oder Bewohner*innen eines Haushalts begärtnert, dennoch wirken sie auch in die Nachbarschaft. Sie bieten einen grünen Blick für die Bewohner*innen des Hauses gegenüber oder schicken vielleicht sogar über Kletterpflanzen einen Gruß in den nächsten Stock (natürlich nur nach vorheriger Absprache).

Selbst am kleinsten Balkon ist Platz für ein paar Kräuter oder eine Kübelpflanze. Je größer, um so mehr Möglichkeiten gibt es. Wichtig sind dabei die Exposition und der Lichteinfall. Balkone ohne direkten Lichteinfall sind nur für wenige Gemüsepflanzen geeignet. Gleichzeitig ist zu intensive Sonneneinstrahlung und Hitze für viele Pflanzen ebenfalls ein Wachstumshindernis. Die Tragfähigkeit von Balkon und Terrasse stellt ebenfalls einen wichtigen begrenzenden Faktor dar. Bei Neubauten ist sie mit 400 kg pro m² beschränkt (Heistinger, 2015)

Bei richtiger Bepflanzung mit heimischen Kräutern, Gräsern, Wildstauden und -blumen können Balkone, Terrassen und Fensterbänke ein Netz von Futterstellen und Zufluchtsorten für Vögel und Insekten in der Stadt bilden (nabu, 2019). Nisthilfen und eine aktive Förderung des Bodenlebens tragen ebenfalls dazu bei, Balkone und Terrassen zu ökologischen Nischen zu machen (siehe Beispiele). Die Klimabilanz des am Balkon angebauten Gemüses hängt sehr stark von der Wahl des Substrats und der Häufigkeit des Substratwechsels ab; jährlich neu gekaufte Erde und chemischer Dünger sind nicht zu empfehlen.

Meist werden Terrassen und Balkone von Bewohner*innen der zugehörigen Wohnungen alleine begärtnert. Wichtig ist die Vernetzung v.a. zum Gießen während Abwesenheitszeiten. Vernetzung und Austausch mit anderen Balkongärtner*innen passieren häufig online ( siehe Toronto balconies bloom, Seestadt – Balkonien)

Je nach Größe und Intensität der Bepflanzung sind sowohl Kosten als auch Produktivität sehr unterschiedlich. In den beschriebenen Beispielen liegen die Kosten pro Jahr zwischen 50 und 270 €. Am aufwändigsten und kostenintensivsten ist die Beschaffung von guter Erde. Auch größere Pflanzgefäße sind oft teuer, wenn sie nicht aus recycelten Materialien selbst gebaut werden. Auf einem sehr produktiven Balkon wurden auf nur 5 m² und bei zusätzlicher Bepflanzung von 8 Fensterbänken 80kg Gemüse in einer Saison produziert (Vertical Veg, 2019). Andere Balkone bieten eher ein paar Früchte zum Naschen oder Kräuter zum Würzen. 

Was die rechtlichen Rahmenbedingungen betrifft, kommen die Bestimmungen der jeweiligen Hausverwaltung/Hauseigentümer*innen zum Tragen. In manchen Häusern sind nach außen angebrachte Balkonkisten nicht erwünscht oder verboten. 

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